Was ist eine Anleihe? Ewald Sikler erklärt.

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Was ist eine Anleihe?
 

Als erstes stellt sich natürlich die Frage, was Anleihen genau sind? Bei einer Anleihe, im Englischen auch Bonds genannt, handelt es sich im Grunde um einen Kredit, den der Käufer der Anleihe dem Verkäufer gibt. Nach einer festgelegten Zeit erhält der Käufer sein Geld zurück und zusätzlich auch noch eine Zinszahlung, erklärt Ewald Sikler.

Der Vorteil von Anleihen ist, dass nicht ein einzelner oder eine kleine Gruppe für diesen Kredit aufkommen muss. So wäre es zum Beispiel für Staaten oder große Unternehmen sehr schwierig jemanden zu finden, der ihnen eine große Summe an Geld leiht. Um dies zu erleichtern hat man die Anleihe erfunden. Hierbei wird der Kredit einfach auf sehr viele Leute verteilt, die bereit sind das Geld zu leihen.

Da die Anleihe nicht fest an den Käufer gebunden ist und in der Regel sehr viele gleiche Anleihen eines Unternehmens oder Staates existieren, können diese täglich an der Börse gehandelt werden. Somit kann der Käufer der Anleihe diese auch jederzeit wieder verkaufen, bevor der Rückzahlungstermin erreicht wurde. Sein Geld ist somit nicht fest gebunden.

Nun ist es so, dass es nicht nur eine einzige Art von Anleihe gibt. Da die Staaten und Unternehmen gänzlich unterschiedliche Voraussetzungen haben, ja sogar unterschiedliche Unternehmen ganz andere Bedürfnisse haben, existiert nicht nur eine Art von Anleihe, sondern eine große Zahl unterschiedlicher Anleihen. Diese können die sich in ihrer Laufzeit, Höhe des Zinses (Kupon), Art der Zinszahlung und weiteren Eigenschaften sehr stark voneinander unterscheiden. Daher ist es wichtig, dass man die für einen selber passende Anleihe auswählt. Auf einige der wichtigsten Typen möchte ich hier genauer eingehen.

 
 
Welche Typen von Anleihen gibt es?
 

Dies ist eine Liste der drei wichtigsten Anleihetypen zusammengestellt von Ewald Sikler:

Die Standardanleihe ( Fixed rate bonds ): Dies ist die mit Abstand am meisten vorkommende Anleihe. Bei dieser wird das Geld für einen festen Zeitraum verliehen und der Besitzer der Anleihe erhält in festen Abständen (jährlich, halbjährlich oder quartalsweise) seine Zinsen. Am Ende der Laufzeit erhält dieser sein geliehenes Geld komplett zurück. Dies ist der Typ von Anleihe, den der normale Anleger kaufen sollte. Alle anderen Anleihen sind eher Spezialfälle, bei denen man sich wirklich auskennen sollte. Typische Laufzeiten dieser Anleihen liegen zwischen unter einem Jahr und 30 Jahren. Die Nullkouponanleihe ( Zero-coupon bonds ): Diese Anleihe unterscheidet sich von der Standardanleihe darin, dass kein Zins ausgezahlt wird. Bei dieser liegt der Ankaufskurs unterhalb des Verkaufskurses. Der Gewinn für denn Anleger liegt damit also nicht in der Zinszahlung, sondern in der Differenz zwischen Ankaufskurs und Verkaufskurs Anleihen mit variablem Zins ( Inflation-indexed bonds ): Bei den beiden vorherigen Fällen ist der Gewinn, den man aus dem Anleihekauf erzielt bei dem Kauf ersichtlich und dieser ändert sich danach auch nicht mehr, wenn die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit gehalten wird. Es gibt aber auch Anleihen mit variablem Zinssatz. Bei diesen ist der Zinssatz an variable Werte wie an die Inflationsrate oder den EURIBOR gekoppelt. Je nach dem, ob diese steigen oder fallen ändert sich der Zinssatz während der Laufzeit. Diese können zum Beispiel einen Schutz gegen die Inflation bieten, besitzen allerdings im Gegenzug auch das Risiko, dass die Rendite später niedriger ausfällt.

Natürlich ist das nur ein sehr kleiner Teil der vorhandenen Anleihearten, für den Anfänger sind dies jedoch die relevanten. In andere Arten von Anleihen sollte man nur investieren, wenn man sich wirklich mit diesen auskennt und genau weiß was die Unterschiede zu den Standardanleihen bedeuten, da sonst ein schmerzhaftes Erwachen mit Verlusten drohen kann, empfielt Ewald Sikler.

Über diese Unterteilung hinausgehend kann man die existierenden Anleihen auch noch weiter unterteilen und zwar in Anleihen, die von einem Staat begeben worden (Staatsanleihen) und Anleihen, von einem Unternehmen (Unternehmensanleihen, Corporate Bonds).

Neben diesen Aspekten ist es auch noch wichtig, in welcher Währung eine Anleihe ausgegeben wurde. So kann es beispielsweise für einen Staat von Vorteil sein eine Anleihe in einer fremden Währung zu begeben, wenn diese einen größeren Markt bildet und somit die Anleihe für mehr Investoren von Interesse ist. Dies nennt man dann eine Fremdwährungsanleihe. Hierdurch kann der zu zahlende Zinssatz niedriger ausfallen. Ein Anleger muss daher berücksichtigen, in welcher Währung die Anleihe ausgegeben wurde, da er sich bei einer fremden Währung einem zusätzlichen Währungsrisiko aussetzt.

"Da für den durchschnittlichen Investor die Standardanleihe die interessante Anleihe ist, soll auf diese jetzt hier noch etwas näher eingegangen werden" meint Ewald Sikler. Im folgenden ist nun immer die Standardanleihe gemeint, wenn von einer Anleihe gesprochen wird. Für andere Typen von Anleihen können die besprochenen Eigenschaften sehr unterschiedlich aussehen.

 
 
Was bedeutet der Kurs einer Anleihe?
 

Da Anleihen einen festen Rückzahlungsbetrag haben (Nennwert) und auch der Zinssatz feststeht, kann sich nur der aktuelle Kurs ändern, zu dem die Anleihe gegenwärtig gehandelt wird. Dieser wird üblicherweise in Prozent zu dem Nennwert der Anleihe angegeben, wobei dieser bei 100% startet. Schätzt der Markt nach der Emission das Risiko für diese Investition als höher ein oder steigen generell die Zinsen, so kann dieser Kurs fallen und man erhält somit bei einem vorzeitigen Verkauf weniger Geld für die Anleihe. Umgekehrt kann bei einer günstigeren Bewertung der Kurs auch steigen. Der Investor erzielt dann also auch Kursgewinne.

Wird die Anleihe jedoch bis zum Ende der Laufzeit gehalten, so wird der Nennwert wieder komplett ausgezahlt. Somit erzielt man also immer die beim Kauf erwartete Rendite. Die letztendlich erzielte Rendite hängt daher von zwei Werten ab. Einmal den regelmäßig ausgezahlten Zinsen (Kuponzins) und der Differenz zwischen Ankaufskurs und Verkaufskurs bzw. Endkurs.

Da es keine einfache Formel für die Rendite gibt, müssen zu deren Berechnung Zinsrechner herangezogen werden.

   
   
Wie hoch sind die durchschnittlichen Renditen von Anleihen?  
   

Die Rendite einer Anleihe hängt stark von dem Risiko ab, dass der Anleiheemittent das erhaltene Geld nicht mehr zurück zahlen kann, erklärt Ewald Sikler. Je geringer das Ausfallrisiko der Anleihe ist, um so geringer ist auch die Rendite. Die durchschnittliche zu erwartende Rendite von Anleihen liegt bei ca. 5%. Für Anleihen die als besonders sicher gelten, wie die von soliden Staaten, liegt diese in der Regel unterhalb von diesem Niveau bei ca. 2-3% und für Unternehmensanleihen bei 5-10%. Für unsichere Emittenten kann diese jedoch auch wesentlich höher liegen bei 10-20% oder sogar darüber. Es ist zu beachten, dass diese Werte nur eine grobe Einteilung sind und dass einzelne Anleihen davon auch abweichen können.

Eine Möglichkeit herauszufinden wie sicher eine ausgewählte Anleihe ist, stellen die Bewertungen der Ratingagenturen da. Diese bewerten Unternehmen und Staaten nach ihrer Ausfallwahrscheinlichkeit und bilden somit eine erste Einschätzung des Investments. Für den Anfänger ist es sinnvoll, dass er sich nur mit Anleihen der besten Bewertungen ernsthaft beschäftigt, da hier das Ausfallrisiko nicht so hoch ist. Anleihen mit einem Rating unterhalb der Investmentgrade, so genannte Junk-bonds, sind mit Vorsicht zu genießen.

 
   
   
Wie sollte man als Anfänger in Anleihen investieren?  
   

Als Anfänger hat man jetzt mehrere Möglichkeiten in Anleihen zu investieren. Zum einen wäre da der direkte Kauf von Anleihen einzelner Unternehmen bzw. Staaten. wobei an Staatsanleihen wohl am ehesten die Bundesanleihen in Frage kommen. Bei einer Einzelauswahl sollte beachtet werden, dass die Anleihen breit über viele Unternehmen gestreut werden und keine einzelne Position ein zu großes Gewicht erhält, um das Risiko zu minimieren, rät Ewald Sikler.

Eine weitere Möglichkeit in Anleihen zu investieren wäre über den Kauf von Rentenfonds. Hierbei wird automatisch über viele Anlagen gestreut, sodass der Anleger sich nicht über die Diversifizierung Gedanken machen braucht. Der Nachteil von diesen Fonds ist, dass sie hohe Verwaltungsgebühren mit sich ziehen, die somit die Rendite reduzieren. Etwas besser sind hier Anleihen-ETFs, die passiv gemanagt werden und etwas niedrigere Gebühren haben.